Der Politmonat Mai: EU Parlamentswahlen & Cannabis-Legalisierung statt Gripen, Mindestlohn & Co.

Politische Themen bewegten am meisten

Auch im Monat Mai waren es politische Artikel der grossen Schweizer Newsplattformen, die im Schnitt am  meisten Reaktionen via Social Media (Twitter, Facebook oder Google+) sowie Leserkommentare auslösten. Im Vergleich zu den Ressorts „Ausland“, „Wirtschaft“, „Sport“ und „Digital“ lösten sie pro Artikel mit Abstand am meisten Reaktionen aus.

Wie stark unterschiedliche Ressorts im Mai bewegten
Grafik: Wie stark unterschiedliche Ressorts im Mai bewegten. Erstellt mit dem Trends Feature von Themenpuls.ch

 

In der Romandie lösten politische Themen am meisten Reaktionen aus

Über den gesamten Mai betrachtet lösten politische Themen in der Romandie mit deutlichem Abstand mehr Reaktionen aus, als in der Deutschschweiz.

Auch das Tessin reagierte stark auf politische Themen. So stark, dass die rein quantitativ bemessene kleine Anzahl Tessiner Leser weit mehr Reaktionen tätigten als die viel grössere Deutschschweiz oder die Romandie.

In der Grafik markiert sind jeweils die Stories, die am entsprechenden Tag am meisten Reaktionen auslösten

Politische Bewegung der Leser im Mai 2014 - Romandie vs Deutschschweiz vs Tessin
Grafik: Politische Bewegung der Leser im Mai 2014 – Romandie vs Deutschschweiz vs Tessin. Erstellt mit Themenpuls.ch Trends

Die 10 bewegendsten politischen Artikel im Mai

1. Dänisches Parlament: Ein mit Sex & Gewalt gespickter YouTube Clip sollte die Jungen zur Teilnahme an der Europawahl 2014 bewegen. Der Clip wurde zum Politikum – und zurückgezogen. Das Video hat so stark bewegt wie keine andere politische Geschichte im Mai: 35’605 Reaktionen – das sind über 26’000 mehr als die Politstory Nummer zwei.

Artikel von 20 Minutes, 13. Mai 2014.


2. Der Neuenburger Kripo-Chef will Cannabis Legalisierung: Cannabis Konsum soll in der Schweiz legalisiert werden. Allerdings nur im privaten – nicht im öffentlichen Raum. Ginge es nach den 20 Minuten Lesern, würde die Idee umgesetzt.

Artikel von 20 Minuten, 19. Mai 2014

20 Minuten Online Poll zur Cannabis Legalisierung
Bild: 20 Minuten Online Poll zur Cannabis Legalisierung

3. Politische Lage in Italien: Eine kleine Sensation (zumindest für uns von Themenpuls): ein Artikel aus dem Tessin zur den EU Parlamentswahlen in Italien schafft es in die Top-3 der bewegendsten Politikstories im Mai.

Artikel von tio, 20. Mai 2014

4. Uruguay legalisiert Cannabis: Bis zu 10 Gramm Cannabis kann in Uruguay künftig für den Eigengebrauch legal erworben werden.

Artikel von 20 Minutes, 3. Mai 2014

5. Im Iran rebellieren junge Frauen gegen das Kopftuchdiktat: Auf der Facebook Seite „Heimliche Freiheit“ posten sie Bilder von sich ohne Kopftuch. Die Aktion bewegt auf Facebook und von dort aus die internationale Presse.

Artikel von Blick, 10. Mai 2014.

Beispiel eines Beitrages der Facebook Page:

6. Islamophobie Vorwurf an Giacobbo & Müller: Der Islamische Zentralrat der Schweiz beschwert sich über die beiden Satiriker – weil diese Muslime als naturgemäss gewalttätig darstellen.

Artikel von 20 Minuten, 6. Mai 2014.

Gelassener sehen das die Leser von 20 Minuten:

Online Poll von 20 Minuten zu den Islam-Sprüchen von Giacobbo & Müller
Bild: Online Poll von 20 Minuten zu den Islam-Sprüchen von Giacobbo & Müller

7. Schweizer Armee in grossangelegter NATO Übung: Schweizer Soldaten sind in der NATO Militäraktionen Jawtex involviert, die vor allem Russland gegenüber Stärke zeigen soll. Darüber wie viele Schweizer Militärs involviert sind – und was genau ihre Rolle in der Übung ist, darüber schweigt das Verteidigungsdepartement (VBS).

Artikel der Basler Zeitung, 14. Mai 2014

8. Kritik am gefälschten Krim-Referendum auch von Putin selbst: Das Referendum über den Anschluss der Krim an Russland war so stark gefälscht, dass sogar Kritik von Putin und seinem Menschenrechtsrat laut wurde.

Artikel der NZZ, 5. Mai 2014

9. Rechtsrutsch in Frankreich: Die rechtsradikale Front National steht nach den EU Parlamentswahlen in Frankreich als die stärkste Partei des Landes da.

Artikel der NZZ, 26. Mai 2014.

10. Tempo 140 auf Schweizer Autobahnen: Aus der Facebook Aktion hat sich eine veritable Unterschriftensammlung gemausert. Die Initianten geben Gas, um die notwendigen 100’000 Unterschriften für eine Volksinitiative zu schaffen.

Artikel von 20 Minuten, 20. Mai 2014

Aufgefallen:

  • Weder Gripen, Mindestlohn oder die Pädophilen-Initiative haben es in die Top-10 der bewegendsten Politik-Stories im Mai geschafft.
  • Alle Landesteile sind mit einer Story vertreten: Zum ersten Mal schafft es ein Artikel aus dem Tessin in die Top-10
  • Dominiert werden die politischen Top-10 von 20 Minuten & seinen Sprachausgaben 20 Minutes und tio. 6 von 10 der Top-Artikel stammen aus diesem Haus.

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Monatsrückblick April: Wale, DJ’s, Raser, Demokraten und Vegetarier

Was hat die Schweiz im April am meisten bewegt? Für unseren ersten Monatsrückblick, den man auch als Newsletter abonnieren kann, haben wir die Top 10 über alle Ressorts hinweg analysiert.

Themenpuls.ch

1. Spenden für krebskranke Kinder

Der Artikel von @20minutesOnline erzählte vom 19-jährigen Stephen Sutton, der Krebs im Endstadium hat. Sein letzter Wunsch war es 1 Mio. britische Pfund für krebskranke Kinder zu sammeln und dann zu spenden. Mittlerweile sind schon 3 Mio. Pfund zusammengekommen. Diese Aktion bewegte auch tausende Menschen im Social Web.

2. Milo Moiré und ihre Kunst

@20minutesOnline berichtete in einem Artikel über die Künstlerin Milo Moiré, die eher unkonventionelle Kunst macht. Die Leser hatten online ebenfalls eine Meinung dazu.

3. Walfang in Norwegen

Über den Walfang in Norwegen berichtete im zurückliegenden Monat @Lematinch. Der Artikel handelte von der Walfang-Quote, welche Norwegen für das Jahr 2014 festgesetzt hat. Vor allem auf Facebook und auf der Website wurde fleissig kommentiert.

4. Vegetarisch essen

Im Artikel von @20min äusserte der deutsche Ernährungsexperte Udo Pollmer seine Zweifel am Sinn einer fleischlosen Ernährung. Daraus resultierten vor allem zahlreiche Kommentare.

5. Zu alt um DJ zu sein?

Der Artikel aus dem @tagesanzeiger befasste sich mit der Altersthematik von DJ’s in Discos. Zur Frage, ob man irgendwann zu alt ist, um DJ zu sein, wurde auch auf Facebook rege mitdiskutiert.

6. Kein Walfang in der Antarktis

Der Artikel von @20minutesOnline thematisierte das Walfangverbot für Japan. Das Land darf jetzt in der Antarktis keine Wale mehr fangen. Auch im Social Web bewegte diese Thematik.

7. Warnung vor direkter Demokratie

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck warnte die Schweiz im Artikel aus dem @tagesanzeiger vor den Nachteilen einer direkten Demokratie. Gerade bei hochkomplexen Abstimmungsthemen sieht er viele Risiken. Dieser Artikel hat vor allem auf Facebook viele Likes und Shares generiert.

8. Erlaubtes Rasen

Im Artikel aus dem @Blickch forderten Feuerwehrleute und Polizisten, dass sie im Rahmen von Einsätzen beim Übertreten der Geschwindigkeitslimiten nicht bestraft werden sollen, wenn sie in Radarfallen geblitzt werden. Diese Forderung bewegte im Social Web – mitunter weil sie auf Verständnis stiess.

9. Tödliches Rasen

@20minutesOnline publizierte im Artikel einen Film aus Belgien, der Leute zu ihrer eigenen Beerdigung einlädt – um die tödlichen Folgen des Rasens aufzuzeigen. Nun hat der Film auch in der Schweiz bewegt – hoffentlich nicht nur zum Klicken, sondern auch zum Nachdenken.

10. Noch mehr Kunst von Milo Moiré

Auch in diesem Artikel, den @PasquierAnneFlo für @Lematinch geschrieben hat, ging es um Milo Moiré und ihre provokative Kunst. Anhand der Reaktionen im Social Web lässt sich ablesen, dass dort Provokation gut funktioniert.

 

Aufgefallen:

  • In den Top 3 sind nur Artikel aus der Romandie. Damit zeigt sich einmal mehr, dass französischsprachige User in der Schweiz häufiger sharen, liken, tweeten und kommentieren als Leute in den anderen beiden Landesteilen. Ebenso scheinen die News-Portale in der Romandie aktivere Communities zu haben.

  • Der Artikel über die Aussagen von Joachim Gauck hat auf Twitter und Google+ vergleichsweise viel bewegt, was jene Leute bestätigt, welche diese beiden Plattformen verglichen mit Facebook als „intellektueller“ einschätzen.
  • Der Artikel von @PasquierAnneFlo hat auf Twitter mitunter deshalb viel bewegt, weil die Journalistin dort selbst präsent und aktiv ist.