Monatsrückblick Januar: Das Attentat auf «Charlie Hebdo» heizt die Islam-Debatte an

Themenpuls legt dar, welche Mediengeschichten im vergangenen Monat in den Sozialen Netzwerken am meisten bewegt haben. Abonnieren Sie den Monatsrückblick als Newsletter.

 

I Das bewegte über alle Ressorts hinweg

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1. «Nous allons vous traquer jusqu’au dernier»

Drei Tage nach dem Attentat auf die Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» vom 7. Januar 2015 veröffentlicht das Hacker-Kollektiv Anonymous eine kämpferische Videobotschaft unter dem Hashtag #OpCharlieHebdo. Darin drohen die Netzaktivisten der islamischen Terrororganisation al-Qaida mit Vergeltung für die Opfer des Anschlags auf «Charlie Hebdo». «20 Minutes» publiziert die Videobotschaft am 10. Januar 2015 und verweist dabei auf Hintergrundinformationen des französischen Newsportals «Le Monde». Die Videobotschaft verbreitet sich im Netz schnell und weit: Fast 120’000 Reaktionen löst der Beitrag von von «20 Minutes» aus – mehr als doppelt so viele wie der nächstplatzierte im Themenpuls-Ranking.

2. 12 Gründe, weshalb jedes Kind einen Hund oder eine Katze braucht

Watson bedient sich am 22. Januar 2015 gleich zweier erfolgsversprechender Faktoren für virale Verbreitung: Listicles und «Cat Content». Mit Erfolg: Die zwölf teils wissenschaftlich untermauerten Gründe, weshalb Kinder mit einer Katze oder einem Hund aufwachsen sollten, ernten im Januar am zweitmeisten Reaktionen insgesamt und setzen damit einen Kontrastpunkt zu den politischen Beiträgen unter den ersten drei.

3. Islam soll in der Schweiz zur Landeskirche werden

Der Anschlag auf «Charlie Hebdo» in Paris entfacht in der Schweiz eine intensiv geführte Debatte um Islam und Islamismus. Farhad Afshar, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz, fordert in der Nachrichtensendung «10vor10» von SRF, dass der Islam als öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaft anerkannt werden müsse, auch um einer Radikalisierung vorzubeugen. «20 Minuten» nimmt die Aussage zum Anlass für eine genauere Analyse. Inlandredaktorin Jacqueline Büchi zitiert dazu in ihrem Text ein Gutachten der Universität Luzern und befragt Politiker sowie Vertreter islamischer Organisationen. Die im Kontext des Attentats geäusserte Forderung wird online heftig diskutiert und weiterverbreitet. 43’321 Reaktionen löst der Text aus. Am drittmeisten im ersten Monat des Jahres.

II Das bewegte im Ressort Politik

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1. «Nous allons vous traquer jusqu’au dernier»

(siehe oben)

2. Islam soll in der Schweiz zur Landeskirche werden

(siehe oben)

3. L’EI appelle à des attaques terroristes en Suisse

Nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo» wird in den schweizer Medien auch die Gefahr eines Anschlags im Inland thematisiert. Am 14. Januar taucht dabei ein Video mit drei syrischen Dschihadisten des Islamischen Staats auf. Darin kündet einer der Gotteskrieger weitere Anschläge in den USA und Europa an – und erwähnt dabei explizit die Schweiz. «20 Minutes» verarbeitet den Inhalt des Videos in einem Artikel, der fast 14’000 Reaktionen auslöst.

III Das bewegte im Ressort Wirtschaft

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 1. Ikea macht Fleischbällchen vegan

6500 Köttbullar werden laut «20 Minuten» täglich in allen neun Ikea-Filialen der Schweiz serviert. Die typisch schwedischen Fleischbällchen sind nebst dem Kerngeschäft mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen ein Verkaufsschlager. Um den ökologischen Fussabdruck des Unternehmens zu verringern, arbeitet Ikea nun an einer veganen Alternative zu den Hackfleischbällchen. Diese soll in der Herstellung weniger energieintensiv und für die Konsumenten gesünder als die karnivore Variante sein. Ein Plan, der offenbar für Gesprächsstoff sorgt: Mit fast 5000 Reaktionen war der Beitrag die Nummer 1 im Monat Januar.

2. Zangengriff von Parteien und Kammern lähmt Österreich

Es ist quasi ein Abschiedsgeschenk des langjährigen Österreich-Wirtschaftskorrespondenten Matthäus Kattinger. Am 1. Januar publiziert die NZZ dessen Analyse der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit unseres östlichen Nachbarlands. Der laut Angaben der Zeitung in den «Unruhestand» übertretende Journalist zeigt in 17 Abschnitten die politischen Faktoren für das Erlahmen der Wirtschaft Österreichs auf. Unruhig ist auch die Reaktion auf den Text: Knapp 2000-mal wird der Beitrag geteilt, kommentiert oder geliket.

3. La Suisse a perdu 360 milliards de francs d’un coup

Die Meldung sorgte international für grosses Aufsehen: Am 15. Januar 2015 hebt die Schweizerische Nationalbank überraschend den Euro-Mindestkurs auf. In der Schweiz entsteht eine lebhafte Debatte über Sinnh und Folgen des Entscheids. 360 Milliarden Franken habe die Schweiz wegen der Abkehr vom Mindestkurs auf einen Schlag verloren, schreibt «24 heures» am 21. Januar 2015 und löst damit 1740 Reaktionen aus.

Aufgefallen

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  • Insgesamt dominiert im Januar die Diskussion um das Attentat auf «Charlie Hebdo» (siehe Bild) sowie die Folgedebatte um den Islam, die Muslime und die Islamisierung in der Schweiz.
  • SNB-Entscheid omnipräsent: Bei den Wirtschaftsnews wird der bewegteste Artikel zum Euro-Mindestkurs zwar erst an dritter Stelle aufgeführt. Die Positionen 3 bis 10 belegen aber allesamt Beiträge zum Kurswechsel der Nationalbank.

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