Blogcharts Januar: Expats bewegen die Schweiz

 

Blogcharts Januar

«19 Ways to Piss off the Swiss» heisst der Blogpost, der im Januar mit grossem Abstand am meisten bewegte. Die Expats von «Newly Swissed» schienen mit ihrem humorvollen Listicle die Besucher vor allem zu erheitern – und zu Reaktionen zu animieren. Mit 5739 Reaktionen, rund sechsmal mehr als der zweitplatzierte Post, ist «Newly Swissed» klarer Spitzenreiter der Januar-Blogcharts.

Wann immer Facebook einen neuen Service lanciert oder die Allgemeinen Geschäftsbedingungen ändert, bloggt Thomas Hutter darüber. So wie am 30. Januar 2015. Und die Netzgemeinde reagiert. Platz zwei im ersten Blogger-Ranking des Jahres.

Wie im News-Ranking ist auch in der schweizer Bloglandschaft der Islam ein vieldiskutiertes Thema. Der «Datenblog» des Tages-Anzeigers greift die Thematik im Januar in zwei Blogposts auf. Unter dem Titel «Warum fühlt sich Pegida Schweiz von diesem kleinen, blauen Kreis bedroht?» rechnet Marc Bruppacher vor, wie viele Muslime aus welchen Nationen in der Schweiz leben, wie sich ihre Zahl entwickelt. Fünf Tage später analysiert Barnaby Skinner im Beitrag «Muslime sind Bad News» die Stimmungslage der Medien in Bezug auf Muslime. Die Posts schaffen es auf Platz drei und vier in unseren Blogcharts.

Du kennst einen Blog, den wir unbedingt berücksichtigen sollten und der noch nicht erfasst ist? Dann bitte hier vorschlagen. Merci!

Monatsrückblick Januar: Das Attentat auf «Charlie Hebdo» heizt die Islam-Debatte an

Themenpuls legt dar, welche Mediengeschichten im vergangenen Monat in den Sozialen Netzwerken am meisten bewegt haben. Abonnieren Sie den Monatsrückblick als Newsletter.

 

I Das bewegte über alle Ressorts hinweg

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1. «Nous allons vous traquer jusqu’au dernier»

Drei Tage nach dem Attentat auf die Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» vom 7. Januar 2015 veröffentlicht das Hacker-Kollektiv Anonymous eine kämpferische Videobotschaft unter dem Hashtag #OpCharlieHebdo. Darin drohen die Netzaktivisten der islamischen Terrororganisation al-Qaida mit Vergeltung für die Opfer des Anschlags auf «Charlie Hebdo». «20 Minutes» publiziert die Videobotschaft am 10. Januar 2015 und verweist dabei auf Hintergrundinformationen des französischen Newsportals «Le Monde». Die Videobotschaft verbreitet sich im Netz schnell und weit: Fast 120’000 Reaktionen löst der Beitrag von von «20 Minutes» aus – mehr als doppelt so viele wie der nächstplatzierte im Themenpuls-Ranking.

2. 12 Gründe, weshalb jedes Kind einen Hund oder eine Katze braucht

Watson bedient sich am 22. Januar 2015 gleich zweier erfolgsversprechender Faktoren für virale Verbreitung: Listicles und «Cat Content». Mit Erfolg: Die zwölf teils wissenschaftlich untermauerten Gründe, weshalb Kinder mit einer Katze oder einem Hund aufwachsen sollten, ernten im Januar am zweitmeisten Reaktionen insgesamt und setzen damit einen Kontrastpunkt zu den politischen Beiträgen unter den ersten drei.

3. Islam soll in der Schweiz zur Landeskirche werden

Der Anschlag auf «Charlie Hebdo» in Paris entfacht in der Schweiz eine intensiv geführte Debatte um Islam und Islamismus. Farhad Afshar, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz, fordert in der Nachrichtensendung «10vor10» von SRF, dass der Islam als öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaft anerkannt werden müsse, auch um einer Radikalisierung vorzubeugen. «20 Minuten» nimmt die Aussage zum Anlass für eine genauere Analyse. Inlandredaktorin Jacqueline Büchi zitiert dazu in ihrem Text ein Gutachten der Universität Luzern und befragt Politiker sowie Vertreter islamischer Organisationen. Die im Kontext des Attentats geäusserte Forderung wird online heftig diskutiert und weiterverbreitet. 43’321 Reaktionen löst der Text aus. Am drittmeisten im ersten Monat des Jahres.

II Das bewegte im Ressort Politik

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1. «Nous allons vous traquer jusqu’au dernier»

(siehe oben)

2. Islam soll in der Schweiz zur Landeskirche werden

(siehe oben)

3. L’EI appelle à des attaques terroristes en Suisse

Nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo» wird in den schweizer Medien auch die Gefahr eines Anschlags im Inland thematisiert. Am 14. Januar taucht dabei ein Video mit drei syrischen Dschihadisten des Islamischen Staats auf. Darin kündet einer der Gotteskrieger weitere Anschläge in den USA und Europa an – und erwähnt dabei explizit die Schweiz. «20 Minutes» verarbeitet den Inhalt des Videos in einem Artikel, der fast 14’000 Reaktionen auslöst.

III Das bewegte im Ressort Wirtschaft

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 1. Ikea macht Fleischbällchen vegan

6500 Köttbullar werden laut «20 Minuten» täglich in allen neun Ikea-Filialen der Schweiz serviert. Die typisch schwedischen Fleischbällchen sind nebst dem Kerngeschäft mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen ein Verkaufsschlager. Um den ökologischen Fussabdruck des Unternehmens zu verringern, arbeitet Ikea nun an einer veganen Alternative zu den Hackfleischbällchen. Diese soll in der Herstellung weniger energieintensiv und für die Konsumenten gesünder als die karnivore Variante sein. Ein Plan, der offenbar für Gesprächsstoff sorgt: Mit fast 5000 Reaktionen war der Beitrag die Nummer 1 im Monat Januar.

2. Zangengriff von Parteien und Kammern lähmt Österreich

Es ist quasi ein Abschiedsgeschenk des langjährigen Österreich-Wirtschaftskorrespondenten Matthäus Kattinger. Am 1. Januar publiziert die NZZ dessen Analyse der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit unseres östlichen Nachbarlands. Der laut Angaben der Zeitung in den «Unruhestand» übertretende Journalist zeigt in 17 Abschnitten die politischen Faktoren für das Erlahmen der Wirtschaft Österreichs auf. Unruhig ist auch die Reaktion auf den Text: Knapp 2000-mal wird der Beitrag geteilt, kommentiert oder geliket.

3. La Suisse a perdu 360 milliards de francs d’un coup

Die Meldung sorgte international für grosses Aufsehen: Am 15. Januar 2015 hebt die Schweizerische Nationalbank überraschend den Euro-Mindestkurs auf. In der Schweiz entsteht eine lebhafte Debatte über Sinnh und Folgen des Entscheids. 360 Milliarden Franken habe die Schweiz wegen der Abkehr vom Mindestkurs auf einen Schlag verloren, schreibt «24 heures» am 21. Januar 2015 und löst damit 1740 Reaktionen aus.

Aufgefallen

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  • Insgesamt dominiert im Januar die Diskussion um das Attentat auf «Charlie Hebdo» (siehe Bild) sowie die Folgedebatte um den Islam, die Muslime und die Islamisierung in der Schweiz.
  • SNB-Entscheid omnipräsent: Bei den Wirtschaftsnews wird der bewegteste Artikel zum Euro-Mindestkurs zwar erst an dritter Stelle aufgeführt. Die Positionen 3 bis 10 belegen aber allesamt Beiträge zum Kurswechsel der Nationalbank.

Die Politwoche: Gripen, Prostitution & Islamismus

In diesem Wochenrückblick will ich mal ausschliesslich auf den Bereich Politik fokussieren: Was hat die Schweiz in der zurückliegenden Politwoche am meisten bewegt? Betrachtet man die 20 bewegendsten Artikel zu politischen Themen , so lässt sich folgendes festhalten:

Mehr Artikel zu Innen-, mehr Reaktionen zu Aussenpolitischen Themen

Artikel zu innenpolitischen Themen dominierten die Top 20

Artikel zu Aussenpolitischen Themen lösten aber im Schnitt mehr Reaktionen aus

Die bewegendsten Politischen Artikel

Die bewegendsten Politik Stories dieser Woche
Die bewegendsten Politik Stories dieser Woche

Nur wenige wirkliche „Themen“ in den Top 20

Folgende Themen schafften es mit mehr als einem Artikel in die Polit-Top-20:

Thema: Gripen (3 Artikel in Top 20)

  • Artikel von 20Min auf Rang 11Tranchenweise Beschaffung: Gripen soll auch gegen Volkswillen gekauft werden: Anscheinend ist im Pro-Gripen-Lager der Optimismus für ein Ja an der Urne bereits geschwunden. Thomas Hurter, Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats arbeitet offensichtlich an einem Plan-B wie der Flieger auch ohne die Zustimmung des Volkes angeschafft werden kann.
  • Artikel von Tages Anzeiger auf Rang 16: So soll der Gripen am Volk vorbeigeschmuggelt werden: Auch im Tagi bewegt der Plan B der Gripen-Freunde.
  • Artikel in 20Min auf Rang 20Maurer zu Gripen-Vorlage: Abstimmung ist «getarnter Angriff gegen Armee»: Bundesrat Ueli Maurer versucht den Gripen-Entscheid auf eine übergeordnete Ebene zu heben. An der SVP Delegiertenversammlung in Näfels GL sagte er: Es gehe hier nicht nur um ein Kampfflugzeug, sondern um die Unabhängigkeit und Sicherheit der Schweiz – und entsprechend komme das Referendum einem Versuch gleich die Armee auf Umwegen so zu schwächen, bis sie ihre Glaubwürdigkeit verliere.

Die bewegendsten Tweets zum Gripen der letzten Woche: 

Die aktivsten Twitterer in der Gripendiskussion

Thema: Islamismus in der Schweiz (2 Artikel in Top 20)

  • Artikel von 20Min auf Rang 2Koran-Seminar: Die Islamisten geben sich jetzt wissenschaftlich: Der radikale Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS) organisiert ein öffentliches Seminar unter dem Titel: «Seminar des Islamischen Instituts für Islamwissenschaften». Saida Keller-Messhali, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islams hat Mühe damit, dass die Veranstaltung als wissenschaftlich und damit implizit auch objektiv  angepriesen wird, obwohl dahinter eine klar extremistische Gruppe steht. Die Story bewegte vor allem via Facebook.
  • Artikel von 20Min auf Rang 9An Schulen: Walliser SVP fordert Kopftuchverbot: Die SVP des Oberwallis will eine Initiative gegen das Kopftuch an öffentlichen Schulen im Kanton. In den Leserkommentaren liefern sich Befürworter und Gegner ein hitziges Duell.

Thema: Prostitutionsverbot (2 Artikel in Top 20)

  • Artikel von 20Min auf Rang 3: Nach schwedischem Vorbild: Europarat will Prostitution in der Schweiz verbieten: Der Europarat will den mit dem Sexgewerbe verbundenen Menschenhandel in Europa bekämpfen. Dafür stimmt der Europarat über ein Prostitutionsverbot auf dem ganzen Kontinent – also auch in der Schweiz – ab. Von den Top 20 Politik Artikel dieser Woche löste dieser mit Abstand am meisten Leserkommentare aus. Die Leser stossen sich an der Bevormundung durch den Europarat.
  • Artikel von 20Min auf Rang 19Prostitutions-Verbot: Die Schweiz als «Magnet für Menschenhandel»? Während EVP-Nationalrätin Marianne Streiff den Vorstoss des Europarates zum Prostitutionsverbot auf dem gesamten Europäischen Kontinent begrüsst, regt sich Andrea Caroni von der FDP über den Vorstoss auf – er ist davon überzeugt, dass eine Kriminalisierung nichts bringt und man im Gegenteil Prostituierten etwa vor Gericht mehr Rechte gewähren werden sollten.

Die bewegendsten Tweets zum Thema dieser Woche: 

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